Rennbericht vom 24h Rennen Nürburgring
Am
Freitag war es dann endlich soweit, die wochenlangen Arbeiten waren
abgeschlossen und das 1. Zeittraining für das 24h Rennen 2006 auf dem
Nürburgring begann. Die neuen Fahrer schlugen sich gut auf unseren Autos
und die Stammfahrer kannten natürlich ihr Arbeitsgerät, aber dennoch
erfüllten sich unsere Erwartungen leider nicht. Nach der Datenauswertung
stellten wir fest, dass es beim Avant mit der Startnummer 6 einige
Überdreher gegeben hatte und wir nutzten die Zeit nach dem 1. Qualifying
und warfen mittels Endoskop einen Blick in den Brennraum des 6
Zylinders. Dieter Götz entschied sich dann den Motor vorsichtshalber zu
wechseln, da Spuren auf dem Kolbenboden zu erkennen waren. Fast
pünktlich zum 2. Zeittraining (Nachttraining) war ein neues Herz in den
Avant gepflanzt und wir konnten einige Testrunden drehen. Leider stellte
sich bei der ersten Runde heraus, dass lediglich 50% des Ladedruckes zur
Verfügung stand und unsere Mechaniker um Dieter Götz suchten, fanden und
behoben den Fehler in Rekordzeit. Danach war sogar noch Zeit einige
Runden mit dem Avant zu drehen. Die Limousine lief ohne Probleme und
spulte fleißig ihre Runden ab. Leider konnte auch das 2. Zeittraining
nicht unsere Erwartungen bzgl. Rundenzeiten erfüllen und wir mussten uns
mit Startplatz 42 für die Limousine und mit Startplatz 54 für den Avant
zu frieden stellen.
Samstag wurde es dann Ernst! Beide Autos
wurden in die Startaufstellung eskortiert und wir zeigten Flagge. Das Ganze Team
stand bei unseren zwei RS4 mit neuen, weißen Hemden und Audi Flaggen
bereit für unsere Fans zum Fotoshooting. Um 15.03 fiel dann der Startschuss und
Timo Schupp (Limo) sowie Simon Englerth (Avant) arbeiteten sich ruhig aber
zielstrebig nach vorne. Nachdem sich der Avant aufgrund der höheren
Motorleistung und des bekannten Setups (erstes vollkommenes Trockenrennen der
Limousine) sogar an der Limo vorbei geschoben hatte, kam der erste
außerplanmäßige Boxenstopp für uns.
Unser Fahrer Christian Kohlhaas konnte auf der Start- und Zielgeraden Christina Surer im Seat Leon Cupra hinter sich lassen, diese versuchte dann in der nächsten Linkskurve zu kontern und traf dabei die Limousine am Heck (Was Sie anders wiedergab). Nur durch beherztes Gegenlenken und Vollgas schaffte Christian es einen Abflug zu verhindern und den Rest der Kurve im vollen Drift zu Ende zu bringen. Nach der Kollision zeigte sich für unseren Fahrer ein schwammiges Fahrverhalten besonders in Rechtskurven, weshalb er an die Box kam. Hier mussten wir feststellen, dass das linke, hintere Rad gebrochen und 4 Querstreben zerstört waren, weshalb sich das Rad unter Querkräften zu neigen begann. Obwohl wir nach einer kurzen Sichtprüfung nur die hinteren Räder gewechselt haben, verloren wir doch rund 4 Minuten. Nun lief es wieder rund.
Alle weiteren Stopps verliefen ohne Probleme, bis
sich noch einmal unsere Limousine meldete. Christian Kohlhaas saß wieder auf dem
Wagen, als er Dieter über Funk mitteilte, dass hinten links etwas klappert. Also
wieder unplanmäßig an die Box. Da es mittlerweile dunkel war bereiteten wir
alles vor und bewaffneten uns mit Lampen. Ohne direkt in die Box zu fahren,
stellten wir den Wagen auf die Druckluftstempel und suchten das Problem. Während
sich der erste Mechaniker unter den Wagen warf, wurde schon das Rad abgenommen.
Nach kurzer Suche zeigte sich, dass am hinteren, unteren Querlenker der
rahmenseitige Bolzen gebrochen war. Da er sich verkantet hatte, mussten wir
große Überzeugungsarbeit leisten, um beide Teile herauszubekommen. Nachdem das
geschafft war, wurde ein neuer
Bolzen eingesetzt und der Wagen wieder auf die
Nordschleife geschickt. Die Betrachtung der Bruchstelle machte klar, dass es
sich um einen anfänglichen Gewaltbruch und somit um eine Spätfolge des Remplers
mit Christina war. Danach läuft wieder alles reibungslos. Vor allem der Avant
macht uns langsam Freude, da er immer weiter nach vorne stürmt. Aber das Blatt
sollte sich wenden, denn genau um Mitternacht war bei einem der teilnehmenden
Honda kurz vor Kallenhard der Motor geplatzt. Gelbe Fahnen sind in der
Dunkelheit der Nacht nicht zu sehen und die Blinkleuchte, die nachts
normalerweise gelb bedeutet, blieb aus. Kurz dahinter fuhr unser Avant, der auf
der Öllache leider keine Chance hatte. So wie weitere 7 Fahrzeuge, darunter auch
"Striezel" Stuck. Zum Glück war unserem und den anderen Fahrern so gut wie
nichts passiert.
In der Nacht ist es relativ ruhig. Durch den
Ausfall können die Mechaniker zwischen den Boxenstopps die Augen zu machen und
etwas relaxen. Die Limousine
kämpft sich wieder vor. Aber ein Unglück kommt
selten allein. In den Morgenstunden, Christin Kohlhaas sitz wieder auf dem
Fahrzeug beklagt er sich, dass es beim Schalten unter dem Fahrzeug Schläge gibt
und es laut knackt. Beim wieder einmal unplanmäßigen Boxenstopp muss erst nach
dem Fehler gesucht werden. Es stellte sich heraus, es ist das Getriebelager. Wir
wechseln also den Verbindungsbolzen zwischen Lager und Getriebe. Kurz nach dem Rausfahren aus der Box meldet sich der Fahrer aber wieder. Das gleiche Problem.
Noch mal ran an die Box! Jetzt wechseln wir das ganze Getriebelager, um nicht
noch einen Stopp zu riskieren. Dementsprechend lange dauert es, da normalerweise
Teile der Vorderachse ausgebaut werden müssen, um ordentlich arbeiten zu können.
Aber es geht auch so! Nachdem wieder viele Plätze auf der Strecke geblieben
sind, startet die Limousine wieder durch. Mit Vollgas nach vorne. So bleibt es
dann auch. Bis zum nächsten Problem! Immer noch sitzt Christian am Steuer, als
es beginnt in der Lenkung zu klappern. Also ran an die Box und die schwer
zugänglichen Schrauben am Lenkgetriebe nachgezogen. Diese hatten sich durch die
enorm hohen und andauernden Belastungen gelockert. Danach hat unsere nahezu
unglaubliche Pechsträne ein Ende. Bis auf die verbleibenden regulären
Boxenstopps muss der Wagen nicht mehr rein.
Durch etwas Spritpoker und gezielt sparsame Fahrweise sparen wir Kraftstoff und müssen 1 ½ Stunden vor Schluss nicht mehr an die Box. Im Gegensatz zum Aston Martin, der in unserer Klasse mit uns um den 3. Platz fährt. Rund 15 Minuten vor Rennende kommt der noch einmal an die Box und wir können an ihm vorbeiziehen. Als unser Wagen dann nach über 24h abgewinkt wird, ist die Freude überschwänglich. Fast das gesamte Team klettert mit Audi-Fahnen bewaffnet auf die Boxenmauer um im Siegestaumel unserem Schlussfahrer Uwe Bleck und allen anderen Fahrzeugen zuzuwinken. Das Team tobt.
Götz-Motorsport hat es im 4. Anlauf geschafft. Die 24h in der Grünen Hölle sind bezwungen. Zwar ein schmerzlicher Erfolg, dieser 23. Platz, aber dennoch unbeschreiblich schön.
Denken wir nicht daran, was gewesen wäre, wenn der schnellere Turbo keinen Unfall gehabt hätte und die zahllosen Probleme (5 unplanmäßige Stopps!!!) nicht gewesen wären.
Es ist einfach schön. Mit diesen Gefühlen und einer Menge Arbeit bedanken wir uns bei den Fans, Partnern und Sponsoren. Wir sehen uns beim VLN oder nächstes Jahr.
Euer Team von Götz-Motorsport
Endresultat: 220 Gesamtstarter, Platz 3 mit der Limousine in der Gruppe SP8 (Gesamt: 23)